Apel erleben im Grüngürtel

 

Am Donnerstag den 29.08.2019 hatte die Berufsvorbereitungsklasse 10BzB4 der Hans-Böckler-Schule die Gelegenheit an dem vom Verein Umweltlernen e.V. angebotenen Projekt „Apfel erleben im Grüngürtel“ auf den Streuobstwiesen des Berger Hangs in Frankfurt teilzunehmen und zu erfahren, wie spannend es sein kann, frischen Apfelsaft selbst zu keltern und diesen zu genießen. Ziel des Projekts war es, den Schülerinnen und Schülern, die im Alltag recht wenig mit der Naturumgebung Frankfurts und Hessens in Berührung kommen, diese etwas näher zu bringen. Außerdem sollte gezeigt werden, wie Saft regional und nachhaltig selbst hergestellt werden kann, ganz ohne CO2-Ausstoß und Zuckerzusatz im Rahmen einer gesundheitsbewussten Ernährung.

 

Mit dem Bus ging es am frühen Morgen und bei strahlendem Sonnenwetter zur Haltestelle Heiligenstock am Berger Hang. Das geschichtsträchtige Gasthaus "Altes Zollhaus“, in dem sich schon der österreichische Kaiser Franz II erfrischte, ließen wir linker Hand und wurden am Eingang zu den Streuobstwiesen von Frau Clemenz vom Verein Umweltlernen e.V. begrüßt. Nach einer interessanten Einführung über Apfelsorten, Quitten und germanische Mispeln sowie über die Verwertbarkeit von Fallobst, welches dem Apfelsaft eine besondere geschmackliche Note verleiht, erhielten die Schülerinnen und Schüler von Frau Clemenz jeweils einen Eimer, in welchen Sie fleißig das noch verwendbare Fallobst sammeln sollten. Dabei durften die verführerischen Äpfel, die noch an den Bäumen hingen nicht gepflückt werden, da sie privaten Eigentümerinnen und Eigentümern gehörten. Unter-wegs unter einem Baum erklärte Frau Clemenz uns, dass die Dürre der letzten Jahre den Obstbäumen schwer zugesetzt habe und dass diese in Hitzestress gerieten und dadurch so geschwächt würden, dass sie ihr Laubwerk abstießen, um zu überleben.  Daher trügen sie auch nicht so viele Äpfel in heißen Jahren, was bei den Obstbauern zu erheblichen Ertragseinbußen führe. Zudem seien die Bäume in Jahren besonders großer Hitze sehr anfällig für Schädlinge wie den Apfelwickler und die Gespinnstmotte, die sich ihren Weg in den Apfel bohren, sich von der Frucht ernähren, um sich dann außerhalb zu verpuppen und später zum Schmetterling zu verwandeln. Dies, so erzählte Frau Clemenz, sei höchstwahrscheinlich auf den Klimawandel zurück-zuführen, der zunehmend extreme Wetterereignisse mit sich bringe. Auf unserem Spaziergang über die Streuobstwiesen sammelten die Schülerinnen und Schüler auch süße Zwetschgen und saure Speierlinge, wobei Erstere später ihren Weg in den gepressten Saft fanden, Letztere jedoch nur als Anschauungsobjekte dienten, um der Klasse die Herstellung von Apfelwein zu erklären. Dieser, so führte Frau Clemenz aus, werde durch den gerb-stoffreichen Saft der Speierlinge klar und mache den Saft haltbarer, zudem verleihe der Saft der Speierlinge dem Apfelwein seine charakteristische aromatisch-herbwürzige Note.

 

Am Ende unseres zweistündigen Rundgangs, der auch an Walnußbäumen und Hagebuttensträuchern vorbeiführte, die ebenfalls zum Probieren einluden, führte uns Frau Clemenz zu einem idyllischen Wiesenhang. Dort standen unter Apfelbäumen bereits Schneidetische und eine Apfelsaftpresse sowie ein großer Wascheimer bereit, um unsere Ausbeute zu frischem Saft zu verarbeiten. Zunächst wurde ein Sitzkreis gebildet und die Früchte in einem Kreis in die Mitte gelegt. Dann fasste Frau Clemenz noch einmal zusammen, was wir gesammelt hatten und wie die gesammelten Früchte hießen. Die Schülerinnen und Schüler wurden für ihren Fleiß und ihr Engagement gelobt. Anschließend wurden die vollen Eimer in den Wascheimer geschüttet und von Hand gewaschen, dann von fauligen Stellen befreit und mit einem Apfel-häcksler zu Maische gehäckselt. Die in einem Eimer aufgefangene Maische wurde in die Apfelpresse umgeschüttet und von kräftigen Schülern zu einem äußerst wohlschmeckenden süßen Saft gepresst, der schneller aus der Presse rann, als die Schüler es erwarteten. So mussten hektisch Kannen und Krüge herbeigeschafft werden, um die sechs Liter süßen Saftes aufzufangen, an dem sofort auch die Wespen ihren Gefallen gefunden hatten. Auf einem Tisch wurden sodann – leider nicht ganz nachhaltig – Plastikbecher aufgestellt und mit Saft gefüllt, sodass alle Beteiligten das süße Nass probieren konnten.

 

Den anfangs in wunderbar stiller Natur erlebten Rundgang störte während des Sitzkreises auf dem Wiesenhang nur kurz ein Traktor, der mit lautem Getöse das Gras um uns herum mähte. Den zu dem eigens vereinbarten Pressetermin herbeigeeilten Journalisten und Fotografen verschiedener Tageszeitungen bot sich ein schönes Bild von engagierten Schülerinnen und Schülern, die sich bei ihrer Arbeit bereitwillig fotografieren und interviewen ließen. Dabei kam heraus, dass diese einiges gelernt hatten. Dennoch blieb das Gesagte – wie häufig - hinter dem eigentlich Erlebten der Schülerinnen und Schüler zurück, die einen erfüllten Vormittag in der Natur erlebt und zahlreiche wertvolle Eindrücke gewonnen hatten.

 

Diese gilt es in den nächsten Schulstunden aufzugreifen und unter den für unsere Gesellschaft immer bedeutsameren Stichworten Klimawandel, Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung zu thematisieren.

 

Von Wasa Hansen (Politiklehrer) und Aline Reuter (Klassenlehrerin)

 

 

Dieses Projekt wurde auch in mehreren Zeitungen veröffentlicht. Zum Lesen bitte anklicken.

 

Bericht der FNP vom 30.08.2019
Bericht der FAZ vom 30.08.2019
Bericht der Frankfurter Rundschau vom 30.08.2019
Bericht des Bornheimer Wochenblatts vom 30.08.2019
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